Inhalt » Archiv » Ausgabe 07/2005 » Brennstoffproduktion aus Gewerbeabfällen

Brennstoffproduktion aus Gewerbeabfällen

Am 1. Juni 2005 beginnt in der deutschen Abfallwirtschaft eine neue Zeitrechnung. Die TASi bedingte Schließung zahlreicher Deponien entzieht der Entsorgungswirtschaft die preiswerte Stoffsenke Deponie zur Ablagerung von nicht vorbehandelten Abfällen. Auch wenn diese Umstellung seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt ist, ist eine neue Entsorgungsinfrastruktur noch nicht flächendeckend vorbereitet worden. Ob und wie groß Kapazitätsprobleme in den nächsten Jahren sein werden, wird von den verschiedenen Akteuren der Entsorgungswirtschaft unterschiedlich eingeschätzt .
In verschiedenen Regionen der Bundesrepublik kann allerdings eindeutig eine Unterversorgung mit technischen Kapazitäten für die energetische Verwertung und ebenso für die mechanische Vorbehandlung von Abfällen festgestellt werden. Im Rahmen dieses Beitrages soll allerdings ausschließlich die Frage einer mechanischen Behandlung von Abfällen gewerblichen Ursprungs behandelt werden.
Sortieranlagen für Gewerbeabfälle sind in recht großer Zahl vorhanden. Da in der jüngeren Vergangenheit auf Grund der preiswerten Alternative Abfallablagerung kein wirklicher Bedarf für eine Aufbereitung von Gewerbeabfällen bestanden hat, wurden solche Anlagen in vielen Fällen für den bloßen Massenumschlag mit der Zuweisung von Teilströmen zu verschiedenen Entsorgungsendpunkten genutzt. So kommt es, dass heute bis auf wenige Ausnahmen nur wenig Erfahrung mit der mechanischen Aufbereitung von Gewerbeabfällen und der Produktion von Brennstoffen aus diesem Abfallgemisch vorliegt.
Abfälle gewerblicher Herkunft wurden zunächst aus der öffentlichen Abfallbeseitigung entlassen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz 1994) und ihre Behandlung weitgehend privatisiert. Die Konsequenz dieses Vorgehens war die partielle Unterauslastung von öffentlichen Beseitigungsanlagen und eine intensive Diskussion um die Scheinverwertung von Gewerbeabfällen. Schließlich griff auch hier der Gesetzgeber wieder auf dem Verordnungsweg mit der Gewerbeabfallverordnung und der Deponie Verwertungsordnung ein.
Für die neue Zeit in der Gewerbeabfall Entsorgung steht damit zukünftig ein wesentlich engeres Spektrum an Verwertungswegen zur Verfügung als bisher. Mit diesem Beitrag soll der Blick auf die Möglichkeiten einer mechanischen Behandlung von gewerblichen Abfällen mit dem Ziel der Produktion von Ersatzbrennstoffen gelenkt werden. In diesem Sektor ist ein enormer qualitativer Sprung von der „Behandlung“ zur „Produktion“ von Stoffen mit definierten stofflichen Merkmalen zu verzeichnen. Für die mit der mechanischen Behandlung verbundene Verfahrenstechnik bedeutet das den Schritt von der eher quantitativen Aufteilung in Stoffströme zur qualitativen Trennung, die mit festgelegten Eigenschaftsverteilungen der einzelnen Stoffströme verbunden ist. Das Ergebnis einer solchen qualitativen Trennung sind Produkte, die als Sekundärrohstoffe in einen vorhandenen beziehungsweise im Falle der Ersatzbrennstoffe noch zu schaffenden Markt eingeleitet werden. Für die Qualität dieser Produkte und deren Überwachung sind Regeln aufgestellt worden, die als Grundlage für handelsrechtliche Geschäftsbeziehungen zwischen Produzenten und Abnehmern dienen. Erfahrungen mit dieser Form von Abfallbehandlung liegen bislang im Bereich der produktionsspezifischen Abfälle vor, die zu Brennstoffen aus produktionsspezifischen Gewerbeabfällen (BPG) verarbeitet werden. Anleihen können weiterhin aus der Aufbereitung von Vorprodukten bei der Sortierung von Verpackungsgemischen genommen werden, wobei ebenfalls Sekundärrohstoffe wie etwa Kunststoffgranulate erzeugt werden.

Seiten 344 - 351

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.MUELLundABFALL.de/MUA.07.2005.344

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